7.1 in Gedenken Gedanken Danken an Baya Luna

Veröffentlicht am 28. April 2024 um 18:00

25 04 2024 Baya Luna, Du fehlst !

(Trigger Warnung: in diesem Text geht es um das Ableben unserer Hündin.)


Ein Jahr ist es her, dass unsere erste Hündin zu sterben begann...
naja. genau genommen begann sie ja schon zu sterben, als sie Geboren wurde... beginnen wir nicht alle mit der Geburt zu sterben?


Nun gut. unsere Baya-Luna musste im April 2023 mal wieder zur Tierärztin. Baya litt an Arthrose, müsst ihr wissen.
Verzweifelt wie wir waren, liessen wir uns kurzerhand überreden, ihr eine Schmerzlindernde Spritze zu geben...
Ein Depot, das in den Körper gespritzt wird.
Ganz wohl war mir nicht dabei. Ich bin kein Fan von solch langfristigen Depots.. was , wenn der Körper ungünstig darauf reagiert? Wie kriegt man das Zeug dann wieder raus? - doch die Tierärztin war so begeistert von diesem Medikament und dessen Wirkung..
und siehe da... ein paar Tage nach der Spritze ging es Baya tatsächlich besser.. Sie konnte wieder mit den andern Hunden herumspringen und toben.
Doch leider hielt dies nur ein paar wenige Tage an.
Schon bald begann sie zu erbrechen, Futter verweigern, spaziergänge verweigern.
Natürlich rasten wir wieder zur Tierärztin..
baya hatte schweres Fieber und stark geschwollene Lymphknoten.
Bepackt mit Fiebersenkern, tabletten für die Leber und Medikamenten gegen Übelkeit fuhren wir mit ihr zurück nach Hause.

aber iwie weiss ich gar nicht wieviel ich hier jetzt erzählen will..

Während ich hier so schreibe, fühl ich mich nicht gut damit.
Ich will das ganze nicht mehr wieder und wieder hervorholen.
Verdrängen will ich s auch nicht.

Ich behaupte, ich hätte es inzwischen einigermassen verarbeitet - bin durch den Schmerz durch - und er fühlt sich heute leichter an - aber weg ist er nicht. wird er wohl auch nie sein. ich habe eingesehen und gelernt, dass es nicht hilfreich ist, etwas weghaben zu wollen.
Ich habe gelernt, es zu integrieren.. hinzuhorchen, wenn was auftaucht, was auf die Stimmung drückt.
Also tu ich das jetzt für mich
Und hole nicht jede Klitzekleine Erinnerung hervor.
- Die Traumaforschung bestätigt das inzwischen : wenn wir immer und immer wieder über die Verletzungen / Traumatas sprechen, holen wir sie wieder hervor - machen sie präsent- und retraumatisieren uns quasis damit immer wieder von neuem. - und auch die, die zuhören werden allenfalls getriggert - und in ihren eigenen Schmerz zurückgeworfen.

Nun gut.
Ich dachte dies vor 25 Jahren wohl schon zum ersten mal, als die Zeit begann, in der Freunde und Bekannte begannen, sich in Psychotherapie zu begeben - vor allem die Psychoanalyse hab ich damals schon verwundert beobachtet.. und habe mich selber dagegen entschieden. habe entschieden, eine andere Form der Therapie für mich zu finden. es machte für mich keinen Sinn, da auf dem Sofa zu liegen und in alten Geschichten herumzufischen, alte Wunden aufreissen, und immer wieder und ewig darin herumzustochern, sie hervorholen - während der Therapeut/die Therapeutin da sitzt und zuhört und quasi nichts dazu sagt...
Ne. das war nicht für mich..
Und tja, was soll ich sagen.. Heute, 25 Jahre später höre ich mehr und mehr davon, das doch auch einige Wissenschaflter und Co dieselbe Erkentnisse teilen und verbreiten.

okay. - nach einem Schockerlebnis ist es was anderes. ich meine ja nicht, man soll GAR GAR GAR nicht darüber sprechen.
ich glaube sogar, dass Während und NACH einem traumatischen Erlebnis ganz oft udn ganz viel darüber geredet werden MUSS - um es zu verarbeiten - wahrhaben- auseinanderpflücken - verschiedene Sichtweisen dazu entwickeln und und und.
Ja. ich glaube nicht, dass das ungut ist.
Doch bitte mit Vorsicht. die Gefahr besteht, dass Mensch sich zu lange darin aufhält und mehr und mehr an Energie verliert, wenn nicht Zeitgleich auch auf anderen Ebenen geguckt und gemacht wird.
Nur in den dunklen Gedanken und Geschehnissen verweilen ist auch nicht das Beste.

Es ist meiner Meinung und Erfahrung nach wichtig, ein "gesundes" Gleichgewicht zu schaffen - Reden, reden, reden. Sich Trost suchen, sich selber Trösten und Halten können - gehalten werden, den Schock und Schmerz zulassen.
Und zeitgleich auch sich auf das LEBEN konzentrieren..
(was zuweilen aber manchmal einfach ganz schön schwer sein kann - grad und vor allem nach einem schmerzhaften, schlimmen Erlebnis...)

Für heute lass ich mal so stehen und überleg, was ich euch zu Trauerarbeit und Sterbeprozess noch erzählen mag.

Nur so viel zu mir noch:
Das Sterben unserer Seelenhündin hat einiges aufgewühlt, aufgemischt, ans Licht gebracht - Schlussendlich erkenne ich tatsächlich jetzt auch das Geschenk, das sie uns allen gemacht hat, durch ihr Leben mit uns und durch ihr Sterben bei uns.
Es hat sich vieles verändert seit da.
Und es ist gut so.
Sie hat mir die Möglichkeit gegeben, nochmal in einen Prozess mit mir zu gehen - mich selber nochmal ein Stück besser kennen- und begleiten zu lernen -
nochmal meine eigene tief in mir schlummernde Sehnsucht nach dem Sterben anzuschauen, mich nocheinmal aus einer "depressiven Episode" rauszuholen, und mein Leben nochmal neu zu denken, umzukrempeln, was umzukrempeln ist und aufräumen, was aufzuräumen ist...
Ich danke Dir, meine Baya-Luna - für alles was du für uns getan hast, und wart und bist.
Du fehlst - und ich vermisse dich JETZT GRAD in diesem Moment doch wieder schmerzlich.
Ein paar Tränen kullern heiss über meine Wangen - ich lasse sie zu . im Wissen, dass dieser Schmerz dazu gehört - im Wissen, dass heute noch viel anderes, freudigeres auf mich wartet und im Wissen, dass dieser Schmerz neben meiner Freude zeitgleich existieren darf, kann, soll und muss.

In Liebe an Baya Luna

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